Sandhoff IT- & Mediensysteme
Zurück zum BlogGrundlagen

Raumakustik für Videokonferenzen optimieren: Der komplette Leitfaden

Schlechte Akustik ist der häufigste Grund für frustrierende Videokonferenzen. In diesem umfassenden Leitfaden zeige ich Ihnen, wie Sie mit gezielten Maßnahmen die Sprachverständlichkeit in Ihren Konferenzräumen deutlich verbessern.

Luca Sandhoff

Fachplaner für Medientechnik

15. Januar 202612 Min.
RaumakustikVideokonferenzAudioKonferenzraum
Moderner Konferenzraum mit professioneller Akustikplanung und Medientechnik

Warum Raumakustik entscheidend ist

Die Raumakustik ist der am häufigsten unterschätzte Faktor bei der Planung von Videokonferenzräumen. Während Unternehmen oft bereitwillig in hochwertige Kameras und Displays investieren, wird die Akustik stiefmütterlich behandelt – mit fatalen Folgen für die Meetingqualität.

In meiner täglichen Arbeit als Fachplaner erlebe ich regelmäßig Konferenzräume, in denen selbst teure Mikrofonsysteme keine guten Ergebnisse liefern. Der Grund: Die physikalischen Gegebenheiten des Raums machen eine gute Audioqualität unmöglich. Keine noch so ausgeklügelte digitale Signalverarbeitung kann die Gesetze der Physik außer Kraft setzen.

Die Auswirkungen schlechter Akustik sind gravierend:

  • Remote-Teilnehmer verstehen Sprecher im Raum schlecht oder gar nicht
  • Ermüdungserscheinungen bei längeren Meetings nehmen zu
  • Die Produktivität sinkt, Missverständnisse häufen sich
  • Mitarbeiter vermeiden hybride Meetings und bevorzugen reine Online-Calls
  • Eine Studie der Fraunhofer-Gesellschaft zeigt: Bei einer Nachhallzeit von über 0,8 Sekunden sinkt die Sprachverständlichkeit um bis zu 40%. In vielen Bürogebäuden liegt die Nachhallzeit jedoch bei 1,2 Sekunden oder mehr.

    Grundlagen: Nachhallzeit verstehen

    Die Nachhallzeit (RT60) beschreibt, wie lange ein Geräusch braucht, um um 60 Dezibel abzufallen. Für Konferenzräume empfehlen Normen wie die DIN 18041 eine Nachhallzeit zwischen 0,4 und 0,6 Sekunden – abhängig von der Raumgröße.

    Typische Nachhallzeiten in verschiedenen Umgebungen:

    Die gute Nachricht: Mit gezielten Maßnahmen lässt sich die Nachhallzeit in fast jedem Raum auf akzeptable Werte bringen. Die Investition in akustische Behandlung zahlt sich durch deutlich bessere Meetingqualität schnell aus.

    Absorber-Arten im Überblick

    Nicht jeder Absorber ist für jeden Frequenzbereich geeignet. Um die Sprachverständlichkeit zu verbessern, müssen wir vor allem den Frequenzbereich zwischen 250 Hz und 4.000 Hz behandeln – den Bereich, in dem die menschliche Stimme liegt.

    Poröse Absorber wie Akustikschaumstoff oder Mineralwolle eignen sich hervorragend für mittlere und hohe Frequenzen. Sie sollten eine Dicke von mindestens 50 mm haben, besser 100 mm, um auch tiefere Mitten zu absorbieren.

    Membranabsorber und Helmholtz-Resonatoren sind spezialisiert auf tiefe Frequenzen. In Konferenzräumen sind sie weniger kritisch, können aber bei Räumen mit ausgeprägten Raummoden sinnvoll sein.

    Breitbandabsorber kombinieren verschiedene Absorptionsprinzipien und bieten eine gleichmäßige Absorption über einen weiten Frequenzbereich. Sie sind meine erste Empfehlung für die meisten Konferenzräume.

    Praktische Maßnahmen

    Basierend auf meiner Projekterfahrung hier die effektivsten Maßnahmen, sortiert nach Kosten-Nutzen-Verhältnis:

    1. Deckensegel und Akustikdecken

    Die Decke ist die größte unbehandelte Fläche in den meisten Räumen und gleichzeitig der kritischste Reflexionspunkt für Tischgespräche. Abgehängte Akustikdecken oder Deckensegel sind daher die effektivste Einzelmaßnahme.

    Empfehlung: Mindestens 60% der Deckenfläche mit Absorbern mit NRC ≥ 0,85 ausstatten.

    2. Wandpaneele in Sprecherrichtung

    Reflexionen von Wänden, die Sprechern gegenüberliegen, sind besonders störend. Akustikpaneele an diesen Positionen verbessern die Direktschall-zu-Reflexions-Verhältnis deutlich.

    3. Textilien und Möbel

    Schwere Vorhänge, Teppiche und gepolsterte Möbel tragen kosteneffektiv zur Absorption bei. Achten Sie auf Materialien mit offenporiger Oberfläche – glatte Kunstleder absorbieren fast nichts.

    4. Diffusoren für große Räume

    In Räumen über 50 m² können Diffusoren sinnvoll sein, um Flatterechos zu reduzieren ohne den Raum akustisch "tot" zu machen.

    Mikrofon-Positionierung

    Selbst bei optimaler Raumakustik kann eine falsche Mikrofon-Positionierung die Audioqualität ruinieren. Hier die wichtigsten Regeln:

    Deckenmikrofone (z.B. Shure MXA920):

  • Mittig über dem Tisch positionieren
  • Höhe: 2,4-3,0 m über dem Boden
  • Abstand zu Lüftungsauslässen mindestens 1 m
  • Nie direkt unter Lautsprechern montieren
  • Tischmikrofone:

  • Abstand zum nächsten Sprecher maximal 60 cm
  • Nicht auf vibrierenden Flächen platzieren
  • Bei mehreren Mikrofonen auf Phasenauslöschung achten
  • Mikrofon-Arrays (z.B. Nureva HDL-310):

  • Wandmontage auf Kopfhöhe der sitzenden Teilnehmer
  • Nie in Ecken montieren
  • Freie Sichtlinie zu allen Sprechpositionen sicherstellen
  • Häufige Fehler vermeiden

    In meiner Beratungspraxis begegnen mir immer wieder dieselben Fehler:

    Fehler 1: Nur hochfrequente Absorber verwenden

    Billige Schaumstoffplatten absorbieren nur hohe Frequenzen. Das Ergebnis: Der Raum klingt dumpf, aber das Nachhallproblem im Sprachbereich bleibt.

    Fehler 2: Absorber gleichmäßig verteilen

    Symmetrische Anordnung von Absorbern kann stehende Wellen verstärken. Besser: Asymmetrische Platzierung mit Fokus auf Erstreflexionspunkte.

    Fehler 3: Verglasung unterschätzen

    Große Glasflächen sind akustische Katastrophen. Hier helfen nur schwere Vorhänge oder spezielle Akustikverglasungen.

    Fehler 4: DSP überschätzen

    Digitale Signalverarbeitung kann Raumakustik nicht korrigieren, sondern nur die Folgen mildern. Investieren Sie zuerst in physische Akustikmaßnahmen.

    Fazit und Empfehlungen

    Gute Raumakustik ist kein Luxus, sondern Voraussetzung für erfolgreiche hybride Zusammenarbeit. Mit den richtigen Maßnahmen lässt sich fast jeder Raum zu einem funktionalen Konferenzraum umbauen.

    Meine Empfehlung für typische Konferenzräume (20-40 m²):

    1. Akustikdecke oder Deckensegel installieren (Budget ca. 80-150 €/m²)

    2. 2-4 Wandpaneele an Erstreflexionspunkten (Budget ca. 200-400 €/Paneel)

    3. Teppichboden oder schwere Teppiche (Budget ca. 30-80 €/m²)

    4. Schwere Vorhänge vor Glasflächen (Budget ca. 50-100 €/m²)

    Gesamtinvestition für einen 30 m² Raum: ca. 5.000-10.000 € – eine Investition, die sich durch bessere Meetingqualität und höhere Produktivität schnell amortisiert.

    Sie planen einen neuen Konferenzraum oder möchten einen bestehenden Raum akustisch optimieren? Gerne unterstütze ich Sie mit einer professionellen Raumakustik-Analyse und konkreten Maßnahmenempfehlungen.

    Verwandte Artikel

    Hybrides Meeting mit Remote-Teilnehmern auf Videokonferenz-Display im Konferenzraum

    Hybride Meetings sind gekommen, um zu bleiben. Nach über 50 Projekten in diesem Bereich teile ich meine wichtigsten Erkenntnisse für erfolgreiche hybride Zusammenarbeit.

    10 Min.20. Feb. 2026
    Professioneller Konferenzraum mit Shure Deckenmikrofon und moderner Medientechnik

    Das Shure MXA920 gilt als Referenz für Deckenmikrofone im Konferenzraum. Nach dem Einsatz in über 30 Projekten ziehe ich Bilanz: Hält das MXA920, was es verspricht?

    9 Min.15. Feb. 2024

    Haben Sie Fragen zu diesem Thema?

    Ich berate Sie gerne persönlich zu Ihrem Projekt.

    Projektanfrage starten